WM Special 2002, 2006

Ein Turnier der Überraschungen.

Die erste Weltmeisterschaft auf asiatischem Boden wurde bei uns in Deutschland zunächst mit eher mäßigem Interesse verfolgt. Nach einem enttäuschenden Vorrunden-Aus bei der EM 2000 waren die Erwartungen an die deutsche Nationalelf anfangs eher gedämpft. Doch das sollte sich sehr bald ändern, denn die WM in Japan und Südkorea sollte zum Turnier der Überraschungen werden.

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Vorrunde der WM 2002

Frankreich als Titelverteidiger wurde vom Afrika-Debütanten Senegal geschlagen und fuhr nach Hause, ohne ein einziges Tor geschossen zu haben. Der Geheimfavorit Portugal unterlag in der Vorrunde sowohl den USA als auch dem krassen Außenseiter Republik Korea und schied frühzeitig aus dem Turnier aus. Argentinien übersteht ebenso, die Türkei schoß nach nur 11 Sekunden das schnellste Tor der WM-Geschichte.

Und Deutschland, ja Deutschland startete mit dem WM-Neuling Miroslav Klose in das Turnier mit einem Schützenfest! Mit einem 8:0 Kantersieg gegen Saudi-Arabien, wurde Miro, der die ersten beiden Treffer in diesem Spiel ins Netz köpfte, über Nacht zum Star.

Im nächsten Spiel gegen Irland konnte Miro schon wieder seine Torgefährlichkeit unter Beweis stellen und verwandelte erneut – wieder ein Kopfballtor. Leider spielte die deutsche Mannschaft insgesamt zu defensiv gegen eine unermüdlich angreifende irische Mannschaft und kassierte nur Minuten vor dem Ende noch einen Ausgleichstreffer.

Es war allerdings im Kartenfestival gegen Kamerun, dass Miro wahre Fußballgröße unter Beweis stellte. In Unterzahl, in einem Spiel, das von gelben Karten gepflastert war, erkämpfte sich Miro den Ball in der gegnerischen Hälfte, setzte sich gegen 4 Gegenspieler durch und passte das Leder „in die Gasse“ vor Marco Bode, der den Ball aus kürzester Distanz in den Kasten schieben konnte. Um den Sack zu zu machen, schoß er gleich noch selbst das 2:0 – natürlich wieder mit dem Kopf. Der Sieg und die Hauptrunde waren redlich verdient.

 

Hauptrunden der WM 2002

Auf dem folgenden, arbeitsreichen Weg zum Finale, überwand Deutschland erst Paraguay, dann eine enorm starke USA und schließlich den Gastgeber Korea jeweils mit 1:0 Endstand. In jedem dieser Spiele konnte Miro für Pulsrasen sorgen, wenn er den Ball in der Nähe des gegnerischen Tores bekam und nicht wenige Male verfehlte der Schuß – oder Kopfball – nur um wenige Zentimeter das Tor selbst.

Dann standen wir im Endspiel gegen Brasilien. Dieses Endspiel sollte für die deutsche Mannschaft auch spielerisch zum absoluten Höhepunkt des Turniers werden und zeigte eindrucksvoll, dass beide Mannschaften das Zeug hatten Weltmeister zu werden. Diese herausragende Auseinandersetzung, die von einem Höhepunkt zum nächsten eilte, war 80 Minuten lang fast völlig ausgeglichen, bis Ronaldo den Ball unhaltbar und plaziert in den Kasten legte. Mit diesem Treffer ebnet sich der Brasilianer den Weg zum WM-Rekord-Torschützen und zementierte seinen Rang als Torschützenkönig des Turniers – direkt vor Miroslav Klose, der mit seinen 5 Toren seinen Grundstein für eine ganz große Aufholjagd legte.

Der Traum vom Titel war aus, doch hatte die DFB-Auswahl eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass hier eine ganz große Mannschaft zusammengekommen war, von der man auch in den nächsten Jahren großes erwarten durfte – und einen neuen Weltklassestürmer: Miroslav Klose.

 

Vorrunde WM 2006

Das Sommermärchen
Die WM im eigenen Land sollte für viele Deutsche ein unvergeßliches Erlebnis werden. Nie zuvor wurde aus Nationalmannschaft und Fans eine solche Schicksalsgemeinschaft wie in diesem Sommer. Die Produktion von schwarz-rot-goldenen Flaggen konnte mit der wiederentdeckten Fußballliebe kaum schritt halten und Millionen feierten ihr Team auf den Fan-Meilen.

Für Miro hätte die Weltmeisterschaft kaum besser beginnen können. An seinem 28. Geburtstag, im Eröffnungsspiel gegen ein überraschend starkes Costa Rica, machte er sich selbst sein schönstes Geschenk indem er gleich 2 Tore schoss und so die Wackelpartie klar entscheiden konnte. Im Gruppenspiel gegen Ecuador schob er gleich noch ein weiteres Doppelpack hinterher. Auch das Aufeinandertreffen mit Polen, konnte Deutschland verdient für sich entscheiden. Die deutsche Nationalmannschaft mit Miro an der Spitze schien kaum aufzuhalten – jedes Spiel wird für Deutschland zu einem Fest.

Nach der Gruppenphase bleibt Miros Zug zum Tor ungebremst. Seine zwei traumhaften Vorlagen auf Lukas Podolski sind der Schlüssel zum 2:0-Sieg im Achtelfinale über die Mannschaft Schwedens. Und auch im Viertelfinale gegen Argentinien ist es Miroslav Klose, der mit seinem 1:1 Ausgleichstreffer die deutsche Elf in die Verlängerung und ins erfolgreiche Elfmeterschießen rettet.

Es war auch im Viertelfinale, dass der Titelverteidiger Brasilien im Match gegen Frankreich unterliegt. Bis dorthin konnte Fußball-Legende Ronaldo allerdings 3 weitere Treffer auf sein WM-Konto verbuchen und löste damit Gerd Müller (14) als bis dahin besten WM-Torschützen aller Zeiten ab – die Meßlatte für Miro war gelegt.

 

Hauptrunde WM 2006

Das dramatische Halbfinale gegen den Titelfavoriten Argentinien war an Spannung kaum zu überbieten. 120 Minuten liefen die beiden Mannschaften gegeneinander an- ohne Entscheidung. Doch auch wenn ein Treffer, gerade gegen Ende hin, förmlich in der Luft hing, konnte das Elfmeterschießen nicht verhindert werden: Minuten folgten, in denen man in Deutschland eine Nadel hätte fallen hören. Mit der Parade von Lehmann gegen Cambiasso entschied die Klinsmann-Truppe das Match für sich. Freudentaumel!

Leider verpasste die deutsche Mannschaft gegen den späteren Turniersieger Italien den Einzug ins Finale. Auch wenn Miro wieder einmal die Schlagzahl gegen das Tor hoch hielt und mit seiner Einsatzfreudigkeit die Italiener eins ums andere Mal aus dem Tritt bringen konnte, blieb Deutschland glücklos.

Mit dem Erreichen des dritten Platzes fand die deutsche Elf einen mehr als versöhnlichen Abschluß dieses großartigen Turniers und wurde zu Hause wie ein echter Weltmeister gefeiert. Und auch für Miro persönlich war die WM 2006 ein Kracher, der ihm endgültig Kultstatus einbrachte.

Nicht allein wurde er mit 5 Treffern Torschützenkönig im eigenen Land, er hatte der Welt gezeigt, dass er sich von einem reinen Kopfballspezialisten zu einem taktisch denkenden Stürmer entwickelt hatte, der die Räume variabel nutzt, in die Abwehr zurückläuft und seine Mitspieler in Szene setzt – und dabei noch Vorbild ist in Sachen Fair Play. Einzigartig. Miro eben.

Special 2010